Stimmbildung, Sprachgestaltung, Initiation Gesang
  • Brauchen Sie in besonderem Maße Ihre Stimme?
  • Stimmt mit Ihrer Stimme etwas nicht?
  • Müssen oder wollen Sie viel öffentlich reden oder
  • möchten Sie Singen lernen?

Diese Kursangebote richten sich beispielsweise an angehende SchauspielschülerInnen, ChorsängerInnen, ErzieherInnen

Grundlagen der Stimmbildung

Stimmbildungs- und Sprachgestaltungskurse sind ein wertvolles Coaching für den Umgang mit Ihrer individuellen Stimme und helfen Ihnen, in der Öffentlichkeit für andere präsenter zu sein und sich gezielter "Gehör" zu verschaffen.

Mit der Zeit und dem täglichen Umgang seiner eigenen Stimme verlernt der Mensch schnell den bewussten Gebrauch von Stimme und Sprache. Das persönliche Timbre, die Wortgestaltung und der "lange Atem" bei ausführlicheren Sätzen wird vernachlässigt und trägt nicht selten dazu bei, daß andere Menschen einem gar nicht mehr richtig zuhören.

In einer Konzeption aus Atemtechnik und Stimmtraining, mit Übungen die Spass machen, werden die lebensmäßigen Vorgänge beim Sprechen und Singen neu und intensiv ins Bewusstsein gerufen. Die Arbeit an verschiedenen Texten, Liedern und Gedichten runden den Unterricht ganzheitlich ab und befähigen für den öffentlichen oder halböffentlichen Auftritt.

Nicht nur SchauspielerInnen oder BerufsrednerInnen, sondern j e d e r M e n s c h vermittelt mit seiner individuellen Sprachgestaltung einen wesentlichen Eindruck seiner Persönlichkeit.

Mit Anteilen der ATEMPÄDAGOGIK und der RHETORIK in der Sprache richtet sich dieses Sprachgestaltungs-Coaching an angehende SchauspielerInnen und an alle, die viel zu sagen haben....

Kursangebote für Chor- und LaiensängerInnen
  • Glauben Sie an Ihr Talent?
  • Möchten Sie Ihre Stimme weiterentwickeln, ausbilden,
  • einmal irgendwo Vorsingen,
    sei es privat oder öffentlich
  • oder haben Sie eine Aufnahmeprüfung vor sich?

 

Unabhängig davon, ob Sie bereits Gesangserfahrung haben oder es einfach nur einmal ausprobieren möchten, können Sie mich als erfahrenen Chorleiter und Gesangspädagogen in Anspruch nehmen!

 

 

WAS IST SPRACHGESTALTUNG?

Wie in der Musik entwickelt sich beim Menschen eine mehr oder weniger formvollendete, komplizierte Sprachstruktur aus einfachsten Bausteinen:

Dem Schall (Klang der Stimme),

dem Laut (Vocale und Konsonanten)

sowie dem Ton (das Wort, gebildet aus dem Klang aller Komponenten wie Tonhöhe-Melodie, Lautstärke, Vokalen und Konsonanten).

Ähnlich wie in den Bedingungen für das Musikalische entwickelt sich die Struktur des Sprechens aus einfachsten Elementen hin zu „komplizierten“ oder auch „interessanten“ bzw. „kreativen“ (schöpferischen) Strukturen. Der/die Lernende im Bereich der Sprache wird sich neu, ähnlich dem Kind durch frühe Epochen zu späteren, kultivierteren Epochen der Sprachgestalt durcharbeiten. Nicht selten wiederholt ein lernender Mensch so frühere Epochen der Menschheits- und Kulturgeschichte.

„MUSIK IST SPRACHÄHNLICH.“ …. … beginnt Theodor W. Adorno sein interessantes Werk „Quasi una Fantasia“ (Musikalische Schriften II 1963, Suhrkamp Verlag)

 

Sprache

Die Sonne spricht zu uns mit Licht,
Mit Duft und Farbe spricht die Blume,
Mit Wolken, Schnee und Regen spricht

Die Luft.

Es lebt im Heiligtume
Der Welt ein unstillbarer Drang,
Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,
In Wort, Gebärde, Farbe, Klang
Des Seins Geheimnis auszusprechen,


Hier strömt der Künste lichter Quell,
Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,
Nach Geist die Welt und kündet hell
Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.

Nach Sprache sehnt sich alles Leben,
In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton
Beschwört sich unser dumpfes Streben
Und baut des Sinnes immer höhern Thron.

In einer Blume Rot und Blau,
In eines Dichters Worten wendet
Nach innen sich der Schöpfung Bau,
Der stets beginnt und niemals endet.

Und wo sich Wort und Ton gesellt,
Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,
Wird jedes Mal der Sinn der Welt,
Des ganzen Daseins neu gestaltet,

Und jedes Lied und jedes Buch
Und jedes Bild ist ein Enthüllen,
ein neuer, tausendster Versuch,
Des Lebens Einheit zu erfüllen.

In diese Einheit einzugehn
Lockt euch die Dichtung, die Musik,
Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn
Genügt ein einziger Spiegelblick.

Was uns Verworrenes begegnet,
Wird klar und einfach im Gedicht:
Die Blume lacht, die Wolke regnet,
Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

H. Hesse

 


Wie Sprache entsteht

Es ist Eltern oft eine tiefe Freude mitzuerleben, mit welcher Freude und mit welcher ungebremsten Sinnlichkeit ein Säugling bereits Elemente der späteren Sprache gebraucht und von selbst mit Freude und Leidenschaft übt. Meine Tochter, die zum Zeitpunkt dieser Zeilen gerade Mal 7 Monate alt ist, führt mir mir alltäglich lautmalerisch vor wie menschliche Sprache entsteht. Schon das Kleinkind bildet sich aus seinen momentanen Gefühlen heraus eine Sprache, die oft nur die Eltern sehr genau verstehen während andere Menschen diese Baby-Laute nur als allgemeines (und nicht selten "nervendes") „Kreischen“ oder „Brabbeln“ wahrnehmen.Babys und kleine Kinder gehen hierbei wie wahre Forscher, ja wie "Wissenschaftler" vor:

Zunächst einmal gibt es keinerlei Imitation, d.h. die Sprache der Eltern wird noch nicht nachgeahmt. Alles, was das Kind mit nur wenigen Lebensmonaten für seine Lautbildungen braucht, trägt es in sich und spürt dem nach.

Im Laufe der Zeit vermehrt das heranwachsende Kind nun die unendlich vielen Kombinationsmöglichkeiten aus verschiedenen Tonhöhen, Melodieverläufen und die Kombinationen der

5 Grundvokale (A-E-I-O-U)

und vielen Reibelauten (F-S-CH-SCH)

und Konsonaten (P-T-K).

Die 1+1- Kombination (1 Konsonant+1Vocal) ist hierbei überwiegend.

Beispiele: DA / DÄ / DE --- MA / MÄ / ME --- BA / BÄ(H) / BE

Aber auch auch 1+2 oder 2+2 – Kombinationen (z.B. 1 Vocal + 2 Konsonanten) sind oft am Anfang schon zu hören:

"AGRU" / "BABA(H)" / "MAPA(H)" …

Diese natürlich angelegte Vokal- und Konsonatenkombinationen bilden später auch die ersten Worte der typischen Kleinkindersprache aus:

"MAMA" / "MUMU" / "PAPA" / "OMA" / "PIPI" / "PUPU" ….

Wenig später treten die "Zisch- und Explosivlaute" hinzu und runden das Vermögen, Sprache zu bilden, ab. Hier beginnt auch die konkretere Nachahmung von Geräuschen welche die Umgebung des Kindes bieten und es tritt hinzu die bewusstere Imitation der Sprache der Eltern.

Eines ist hierbei deutlich: Auch wenn die kindliche Sprache zunächst "nur" ein „Brabbeln“, Schreien und Rufen ist, dass Kind teilt bereits SICH mit und dieses Wesensmerkmal von Sprache bleibt auch im Erwachsenenalter.

In keiner Zeit als in der Elternzeit versteigen sich Mütter und Väter so sehr auf eine musikalisch- rhythmische Sprachgebung. Und dies, um mit ihrem Kind in eine irgendwie geartete Kommunikation treten zu können.

Wer dies „durchgemacht“ hat wird zugeben, dass dies eine „schöne“ Zeit ist:

Sprache und einzelne Wörter oder Wortteile werden plötzlich spielerisch und fröhlich. Wörter bekommen eine besondere Bedeutung, es wird wieder gesungen....

Die Sprache von Eltern kleinster Kinder bedient sich aus dem Unbewussten vieler lockender, zärtlicher Melodien. Sie wird „streng“ oder „beruhigend“, „auffordernd“ oder „meditativ“.

So ist das doch auch das Singen im Grunde DIE Muttersprache des Menschen.

Der "erwachsene" Mensch distanziert sich allerdings schnell vom Spiel mit der Sprache. Sprache wird als Mittel und "Beweis" seiner intellektuellen Überlegenheit eingesetzt und je nach Vermögen versachlicht, gleichzeitig aber geht nicht selten das Gefühl und die Sinnhaftigkeit der Lautmalerei und der eigenen Stimme verloren.

Ein besonderes Merkmal in der gegenwärtigen deutschen Kultur ist, daß seit Ende des II. Weltkrieges das Singen und damit auch das (Vor-) Lesen und Deklamieren von Dichtung und Poesie in der breiten Masse zurückgegangen ist. Zu sehr war das Singen und Deklamieren Propaganda des faschistischen Regimes geworden, daß "den Deutschen" vielmehr als anderen Völkern hernach das Singen vergangen sein mag.

Die Folge davon ist, daß ausser im Laienchorwesen ein häusliches Laienmusizieren, die regelmäßige und wirklich aktive Beschäftigung mit Musik, Dichtung und Poesie kaum noch stattfindet, bzw. konsumhaft durch ein Überangebot an reinen Unterhaltungsmedien kompensiert wird.

Die heutigen Vorbilder für Sprache und Gesang orientieren sich auch aus diesem Grund eher und nahezu ausschliesslich englischen oder amerikanischen Vorbildern, etwa dem Gospel oder dem Pop. Dieser Entwicklung wird im Erziehungswesen nicht gegengesteuert: Mit Kindern wird allenfalls noch in Kindergärten und im ersten Schuljahr gesungen, danach aber singt kaum noch jemand mit den Kindern.

In diese Kluft hinein treten immer mal wieder Modeerscheinungen, wie etwa das "Karaoke-Singen", sozusagen als Ersatzhandlung für wirkliches Singen. Wer sich einmal intensiver mit Dichtung und Poesie, mit Liedern befasst hat wird bemerkt haben, dass die Urheber einer kultivierteren Sprachkultur immer auch mit solchen Lautmalereien „spielen“ bzw. „arbeiten“.

Beispiele von Christian Morgenstern, Erich Fried aber auch Heinz Erhard zeigen, dass sogar das zeitweilige Herausheben von gewohnten und grammatikalisch festgelegten Sprachmodi das Hören und Sprechen unübersehbar weite Ausdrucksformen innewohnt, nicht zuletzt der Humor.

Dagegen steht eine gesellschaftlich weit verbreitete und durch die Medien z.T. auch geförderte Ausdrucks- und Sprachlosigkeit vieler Menschen.

Sehr häufig verwenden wir Gewohnheitsfloskeln, die wir gar nicht mehr bemerken. Dahingeschleuderte Sprachfetzen, unfähig und auch oft völlig ungeeignet, verfeinerte Gefühls- oder Gedankenwelten differenziert wiederzugeben, sind nahezu eine Modeerscheinung.

Auch die uns ständig umgebende, oft nur penetrante Werbung „spielt“ längst mit der Empfindsamkeit aller Menschen für Sprache, wenn auch nicht oft wirklich witzig („G-eiz ist G-eil“, „T-räumen Sie Ihr Schlafzimmer ein“).

Die sprachlich weit verbreitete Abwesenheit von Poesie und Dichtung hat als „Zeitgeist“ jedoch längst dazu geführt, dass dem Menschen heute Vorbilder für eine wirkliche Sprachkultur weitestgehend fehlen.

Selbstverständlich empfinden viele Menschen dagegen ein übertrieben künstliches und gekünsteltes Phatos beim Sprechen heute als überflüssig, eher unangenehm und aufgesetzt. Eine Intellektuellversachlichte Sprachgebung (derer Politiker sich gerne bemächtigen) empfinden wir mit Recht als Ausdruckslos und langweilig.

Wie aber findet der Mensch, der seine Sprache und Stimme doch alltäglich als Mittler einzusetzen hat, zurück zu seinem natürlich-gesundem Timbre?

Wie kann ein Mensch, der seine Sprache und Stimme effektiver einsetzen möchte (Sei es redend, sei es singend) seine Stimme und Sprache ausbilden?

Muss Sprache eigentlich „gestaltet“ werden, oder genügt es nicht einfach „irgendwie“ auszudrücken was man fühlt und denkt?

Sprachgestaltungsunterricht gibt es aus verschiedenen künstlerisch-pädagogischen Ansätzen heraus und ist überdies kein geschützter Begriff, etwa für einen bestimmten „Sprechstil“. In den heute vertretenen Schulen besonders engagiert und weit verbreitet ist z.B. die „anthroprosophische“ Methodik. Dennoch ist allen Sprachgestaltungsschulen gemein, dass der sich in der Sprache und Stimme übende Mensch –wie ein kleines Kind- ganz neu sich seiner eigenen Sprache zuwendet, diese quasi wiederenddeckt. Nach jahrelangem Gebrauch sind die einzelnen Laute aus denen Wörter bestehen oft „vernebelt“ und, man verlernt mit der Zeit auch sich selbst und diesen Lauten zuzuhören.

Die Folge ist, dass zwischen dem was die Sprache meint und dem was sie aussagen und bewirken soll nicht selten ein eklatanter Widerspruch besteht.

Nur wer es vermag, seinen Gedanken und Stimmungen ein angemessenes „Sprachkleid“ zu geben wird in öffentlicher oder halböffentlicher Rede sich gehörig Gehör verschaffen können.

Sprachgestaltung besagt also zunächst nur, dass die eigene Sprache GESTALTUNGSFÄHIG und damit in Ausdruck und Tragfähigkeit immer AUSBAUFÄHIG ist.

Zwei Möglichkeiten bieten sich hierbei an:
Zum einen die Mitwirkung in einer Gruppe. Sprechtraining wird in vielen Chören als Bestandteil der chorischen Stimmbildung angeboten. Daneben gibt es die Möglichkeit in einem reinen „Sprechchor“ mitzumachen.

Ernst Toch´s komponierte Sprechmotette „FUGE AUS DER GEOGRAPHIE“ ist nur ein Beispiel dafür, wie viel Spass gemeinsam gestaltetes Sprechen machen kann.

Einzelunterricht dagegen hat wie beim Einzelunterricht am Instrument den Vorteil, dass auf individuelle Schwächen aber auch auf individuelle Zielsetzungen oder Notwendigkeiten viel intensiver eingegangen werden kann.

Sprachgestaltung widmet sich wie ein Malkurs den einzelnen Formelementen gesondert zu:

Nicht zuerst das Endergebnis eines fertigen Bildes (bzw. Vortrages) zählt, sondern zunächst die (Klang-)Farbe als solches und dann die Formgebung in der rythmischen Struktur unter bestmöglichem Einsatz der körpereigenen "Artikulationswerkzeuge".

Dennoch ist die Gestalt (!) der eigenen Sprache, der eigenen sprachlich-stimmlichen Ausdrucksfähigkeit, nicht nur ein Äußeres:

Unsere alltägliche Sprache ist eng verbunden mit inneren Erlebnisvorgängen und eigenen Glaubenssätzen, welche „Erfolg“ begünstigen oder „Misserfolg“ provozieren. Durch die Arbeit an Stimme, Atem und Sprache durch lebendige Übungen tritt mählich ein Prozess der Bewusstmachung ein, der den Übenden mehr und mehr für sich selbst und der Wirkung seiner Sprache und seiner Aussagen sensibilisiert. Insofern kann immer auch von einer „therapeutischen“ Wirkung gesprochen werden.

rjdm 04/04